- Update 2026-02-15: Kommentar
Mir wurde eine Podcast-Episode empfohlen, wo der selbsternannte "Finanzphilosoph" Maximilian Runge-Segelhorst als Interviewgast beim Podcast "beyond kpi" über seine Erkenntnisse zum Geldsystem spricht.
Disclaimer: ich bin kein Experte in dem Gebiet, kann auch die Theorien dahinter nicht so genau einordnen und fand die erwähnten Inhalte prinzipiell mal interessant, da sie eine mir logisch erscheindende Alternative zum gängigen Erklärmodell liefert, das auch für mich noch nie so richtig Sinn ergeben hat.
Wenn Herr Runge-Segelhorst deiner Meinung nach Blödsinn erzählt hat, dann freue ich mich über einen Kommentar, wo auch Quellen zitiert werden, wo man nachlesen kann, weswegen das Erwähnte nicht korrekt sein sollte.
Episodeninformationen
Die Episode ist auch via YouTube veröffentlicht worden. Die Shownotes sind auf listennotes zu finden. Datun zu finden sind unter anderem die Liste an Aha-Momenten vom Podcast-Host:
Neoklassik auf dem Prüfstand – eine Theorie, die Unsicherheit und Macht systematisch ausblendet.
Geld als Infrastruktur – Bargeld, Kontoguthaben, Staatsanleihen: alles Schuldscheine, alles gestaltbar.
Staatsschulden ≠ Problem – sondern Privatvermögen und Teil einer funktionierenden Demokratie.
Inflation neu gedacht – „Inflation ist ein Verteilungskonflikt. Verteilungskonflikte sollten machtsoziologisch analysiert werden – und nicht mechanisch.“
Gefahr Anarchokapitalismus – warum Bitcoin als „digitales Gold“ demokratiefeindliche Mythen befeuert.
Meine Notizen
Als Teaser, damit du dir die knapp 90 Minuten Podcast eventuell ebenfalls anhörst, habe ich hier meine Notizen reinkopiert:
- er warnt davor, (wie er) eine Bankenlehre zu machen: mehr dazu auf seiner umfangreichen Vita
- statt "Leoliberalismus" verwendet er in dem Kontext: "Neoklassizismus"
- er ist Fan von der Modern Monetary Theory
- der Staat erschafft Geld aus dem Nichts
- Anmerkung Karl: er verweist auf https://runge-segelhorst.de/vita/
dazu auch auf:
- Richard A.
Werner: "Can banks individually create money out of nothing? — The
theories and the empirical evidence"
- erschienen in: "International Review of Financial Analysis"
- https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070
- scheint aber zumindest auf dieser Seite nicht wirklich zitiert worden zu sein. Man muss also mit der damit verbundenen Beweiskraft vermutlich vorsichtig umgehen.
- Richard A.
Werner: "Can banks individually create money out of nothing? — The
theories and the empirical evidence"
- Anmerkung Karl: er verweist auf https://runge-segelhorst.de/vita/
dazu auch auf:
- Inflation ist, wenn das vom Staat erfundene Geld die begrenzten Ressourcen übersteigt
- Ausgeglichener Außenhandel ist wichtig gegen Inflation
- Geld wird aus dem Nichts erfunden durch staatliche Geldausgabe oder Kreditvergabe durch Banken. Doch das sind zwei unterschiedliche Dinge, was die Neoklassik ignoriert.
- Staatsschulden sind Privatvermögen und nicht Privatschulden. Die Angst vor Staatsschulden ist absurd.
- Staatsschulden sind kein Problem, weil wir diese Schulden bei unser eigenen Zentralbank haben. Man kann bespielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren. Man muss nur vorher klären, was das für Auswirkungen hat.
- Die Neoklassik meint: der Staat braucht Einnahmen und darf sich nicht verschulden.
- Geld ist eine öffentliche Infrastruktur und soll deswegen auch Teil des offentlichen Diskurses sein.
- Wir mussen Superreiche besteuern, damit sie unsere Demokratie nicht gefährden aber wir müssen sie nicht besteuern, damit wir Häuser bauen können.
- Im amerikanischen Unterhaus gab es anfang der 20er-Jahre einen Antrag, die MMT als Theorie politisch zu verbieten.
- Die Neoklassiker glauben, sie machen eine Naturwissenschaft, obwohl
sie eine Gesellschaftswissenschaft sind
- (Anmerkung Karl: das dachte ich mir auch immer wieder beim "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften" der schwedischen Bank, der gerne fälschlicherweise als Nobelpreis bezeichnet wird. Kritik daran gibt es zuhauf.)
- Bitcoin will die Zeit zurückdrehen (Goldstandard) und uns damit auch die Möglichkeit nehmen, dass der Staat Geld für seine Zwecke erfindet
- Anarchokapitalismus
= Libertarismus =
Oligarchie:
diejenigen mit dem meisten Geld haben die meisten Freiheiten
- beliebt in der Bitcoin-Szene
- MMT: unser Geld muss redemokratisiert werden, um das Missverhältnis zwischen stattlicher und privater Geldschöpfung zu bekämpfen
- Neoklassik: Geld ist eine Maschine, wo sich der Staat raushalten muss
Skeptik
Wenn wir aus vielen Gründen wirklich mal den Neoklassizismus loswerden sollten, sollten wir uns die MMT durchaus mal näher ansehen und durchdenken.
Ich habe kurz mal ein paar Online-Artikeln überflogen, die die MMT kritisiert haben und fand jeweils relativ rasch heraus, dass die MMT in diesen Artikeln nicht so wiedergegeben wurde, wie hier von Maximilian Runge-Segelhorst beschrieben wurde.
Oft wird die MMT so falsch verkürzt, dass man gemäß MMT endlos Geld drucken möchte. Das ignoriert wiederum den wesentlichen Faktor der begrenzten natürlichen Ressourcen, den man hier nicht einfach außer Acht lassen darf, da er ebenfalls integraler Bestandteil der Theorie ist.
Insofern schaute es für mich aktuell so aus, als ob zumindest manche Kritiker bewusst oder unbewusst die MMT falsch widergeben, um gegen sie Stimmung zu machen.
Wer eine wirklich gute MMT-Kritik findet, darf sie gerne unten als Kommentar mitteilen.
Kommentar: Siegfried Kurz
Es erreichte mich folgender Kommentar:
Aber es ist schon so, dass die MMT von Leuten instrumentalisiert wird, die sich für eine Erhöhung der Staatsausgaben aussprechen. Und wenn die dann noch hören, der Staat kann in eigenem Geld nicht pleite gehen, dann sind die noch mehr erfreut.
Schon diese zentrale Aussage mit dem "Nicht pleitegehen" ist zwar formal korrekt, aber dennoch völlig irreführend. Was nutzt es einem Staat, Geld zu emittieren, das niemand mehr halten will, da es durch zu grosse Geldmengen entwertet wurde. Und entscheidend ist eben nicht nur der Binnenwert, sondern auch der Aussenwert. Und der wird bei zu grossem Geldmengenzuwachs eben abnehmen.
Die Bürger werden das früher oder später merken und sich weigern, das Geld zu halten und sich in ausländische Währungen flüchten.
Der Staat ist nicht pleite, aber hat das öffentliche Gut Geld durch Entwertung zerstört. Was soll daran positiv sein?
Ein zweites Problem der MMT ist, dass sie bei uns und in den meisten Staaten gar nicht anwendbar ist, da eben nicht der Staat das Geld emittiert, sondern meist eine mehr oder weniger unabhängige Zentralbank.
In der Eurozone ist das jedenfalls so. Wäre dem nicht so gewesen, hätte es das Griechenlandproblem nicht gegeben.
Ich kann Ihnen leider kein Paper mit weiterer MMT-Kritik liefern, allerdings einen Blog, aus dem ich selber sehr viel über unser Geldsystem gelernt habe: https://soffisticated.wordpress.com/
Ein zweiter Hinweis wäre dieses Video, in dem eine Sicht auf Held präsentiert wird, die zumindest teilweise auf empirischen Erkenntnissen beruht. Gleichzeitig stimmt sie mit der allgemeinen Ansicht über Geld, die man auch gesunden Menschenverstand nennen könnte, überein. Es ist die Ansicht, die ich weiter oben beschrieben habe und die eben der MMT widerspricht. [[https://www.youtube.com/watch?v=zvut4oK9S80 ][Geldtheorie und Inflation - Interview mit Ingo Sauer]].
Nun, ich bin da kein besonderer Experte in diesem Gebiet aber wie ich die Argumente verstanden habe ist es so, dass es sehr wohl Grenzen gibt, um eine Abwertung zu verhindern. Nur ist diese Grenze nicht durch die Verfügbarkeit von Geld sondern die Verfügbarkeit der nicht-monetären Ressourcen gekennzeichnet.
Insofern würde sich der Widerspruch hier durchaus auflösen, da man sehr wohl darauf achten müsste, dass aus besagten Gründen der Staat sich kein Problem erschafft.
Danke für die weiterführenden Links. Ich werde sie mir bei Gelegenheit ansehen.