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Songs und Liedertexte: "Selbstmitleid" von Herbert Grönemeyer

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Das ist ein Artikel aus meiner Serie zu Songs und Liedertexten:

Allgemeines zur Artikelserie

Ich bin offenbar ein Lyrics-Mensch: mir fallen Texte bei Songs auf, ich merke sie mir, sie stehen für mich meistens im Fokus eines Songs, der Song bekommt dadurch meistens für mich seine Bedeutung. Vermutlich kenne ich etliche hundert Songtexte auswendig.

In manchen Liedtexten erkenne ich eine wichtige Situation aus meinem eigenen Leben wieder. Das erzeugt eine besondere Bindung zu einem Lied. Viele Lieder sind aber auch ohne dieser besonderen Bindung einfach nur schön oder interessant.

Ich bin kein besonderer Experte für Musik oder Songtexte. Mir fehlt vermutlich auch das passende Vokabular, um die einzelnen Dinge zu benennen. Ich bin schon froh, dass ich weiß, was in diesem Kontext eine Bridge ist.

Meine Motivation für diese Serie:

Im Gegensatz zu vielen anderen Themenkreisen werde ich hier ausschließlich auf Deutsch schreiben. Das liegt auch daran, dass ich vor habe, etliche deutschsprachige Songtexte zu präsentieren.

Wenn nicht anders erwähnt oder entsprechend verlinkt, lese ich kaum bis keine Quellen speziell zum Schreiben der Artikel in dieser Serie. Das geschieht nicht aus Mangel an Recherchemotivation sondern ganz bewusst, um meine subjektiven Eindrücke nicht mit den Meinungen und Interpretationen anderer Personen zu vermischen. Ich habe es mir nicht angeeignet, standardmäßig zu meinen Lieblingssongs Recherchen zu betreiben. Viele meiner Lieblinge fand ich vor der Erfindung vom WWW. Nur selten fühlte ich den Drang, die Interpretationen von anderen Menschen zu suchen.

Oft habe ich allerdings zufällig oder auch nicht bereits Hintergrundinformationen mitbekommen, indem ich Künstler-Interviews las, Dokus angeschaut habe, Bücher las oder etwas im Radio aufgeschnappt habe.

Die Lyrics in meinen Artikeln habe ich selbst kontrolliert. Es gibt zu einem Song oft verschiedene Versionen. Diese haben auch oft verschiedene Lyrics als Basis. Daher beziehe ich mich auf eine bestimmte Version.

Du findest Allgemeines zu mir und Musik auch auf meinem Tag-Artikel zu "music".

Serviervorschlag

Ich empfehle, zuerst den Song bewusst anzuhören. Danach den Artikel lesen und dann nochmal den Song hören und neue Eindrücke via Kommentar unten dalassen.

In dieser Serie ist es mir besonders wichtig, Kommentare zu bekommen, da ich ansonsten eher zu IT-Themen schreibe und ohne genügend Interesse werde ich die Serie nicht fortsetzen.

Metadaten

Meine Gedanken

Zuerst einmal muss ich vorweg gleich mal sagen, dass ich kein ausgesprochener Grönemeyer-Fan bin. Ich kenne das, was alle so aus dem Radio kennen.

Aus irgendeinem Grund stolperte ich über sein "Bleibt alles anders"-Album. Das habe ich recht intensiv gehört aber das war's dann auch schon. Ich habe mich demnach nicht durch seine anderen Alben durchgeschlagen.

Die Stimmung von dem Song ist alles andere als positiv, das ist klar. Andererseits braucht es auch so richtig schöne Lieder, um in Selbstmitleid versinken zu dürfen. Das hier ist ein heißer Kandidat.

Musikalisch ist die Stimmung sowas von gelungen, wie ich finde. Der Song beginnt ohne besondere Höhen oder Tiefen, er "schlabbert" so dahin und passt demnach wunderbar zum Thema.

Du hast keine Optik
Ausstrahlung gleich Null
Nicht mal deine Schultern sind breit
Dein Dreitagebart macht dich auch nicht richtig hart	  

Keine besonders aufmunternden Worte gleich von Beginn an. Das Thema ist gesetzt, nichts Positives wird hier im Weiteren folgen. In meinem Kopf ist sofort klar, was hier gespielt wird.

Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid	  

Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich verwundert, weil ich nach einem Vierteljahrhundert erst jetzt beim Schreiben draufgekommen bin, dass die Zeile nicht "Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid" heißt. Ich habe es immer falsch verstanden und auch falsch gesungen. Allerdings gefallen mir beide Varianten gleich.

Dein Badezimmerspiegel schaltet auf blind
Dein Anblick ist ihm zu seicht
Den entscheidenden Elfmeter hast du hilflos vergeigt
Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid	  

Soweit zur ersten Strophe.

Und du stehst im Regen, und du wirst nicht naß
Es regnet an dir vorbei	  

Interessanterweise würde man allgemein annehmen, dass es erstrebenswert ist, wenn man im Regen gerade nicht nass wird. Doch im Gegensatz dazu meint der Song, dass es ein ausgesprochen tolles Erlebnis ist, wenn man einen Regen auf seiner Haut spürt, die Natur intensiv erlebt und ins Leben eintaucht.

In so einem warmen Sommerregen ohne extradichten Regenschutz bewusst hineingehen und sich an den Elementen erfreuen, ist schon etwas Besonderes. Und dabei trocken zu bleiben, verheißt nichts Gutes. Sogar das Wasser nimmt eine Kurve um dich herum.

Über deinen Lieblingswitz hat wieder keiner gelacht
Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid	  

Jaja, wer kennt das nicht? Man erzählt etwas, was einem besonders am Herzen liegt und das Gegenüber empfindet es ganz anders. Wenn es sich dabei um einen Lieblingswitz handelt, ist die Enttäuschung oder Verwunderung umso intensiver.

Als besondere Merkmale steht in deinem Pass nur:
"Blaß und Weichei"	  

Welche Demütigung kann größer sein, als ein Beamter, der sich erdreistet, die eigene Farblosigkeit in einem offiziellen Dokument einzutragen, welches man fremden Menschen gegenüber vorzeigen muss?

Wenn du den Zoll passierst wirst du nie kontrolliert
Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid	  

Schon wieder ein ähnliches Thema zu weiter oben mit dem Nass: im Normalfall ist man froh, wenn man von Zollbeamten nicht aus der Menschenschlange gefischt wird, um sein Gepäck durchsuchen zu lassen. Doch in diesem Fall spielt der Text darauf an, dass man durch seine Ausstrahlung den Eindruck erweckt, niemals etwas "Interessantes" zu machen. Kein Pferdestehlen. Kein Gelegenheitsdiebstahl. Keine noch so kleine Bösartigkeit. Unfähig, etwas Besonderes in der Welt zu bewirken.

Und du stehst im Regen, und du wirst nicht naß
Es regnet an dir vorbei,
Du hast 'nen schlechten Empfang
Und das schon wochenlang
Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid

Alle Türen zugeschlagen, man feiert ohne dich
Nur der Katzenjammer bleibt.
Keiner kann dich ertragen,
Du bist einfach ein Nichts,
Keiner der sich über dich freut
Du kannst auf der Stelle erfriern,
Keinen wird's interessiern,
Auf welcher Scholle du treibst	  

Sogar das Verschwinden aus dem Leben soll den anderen vollkommen egal sein.

Und du stehst im Regen, und du wirst nicht naß
Es regnet an dir vorbei
Über deinen Lieblingswitz hat wieder keiner gelacht
Tu dir leid, tu dir leid, tu dir leid

Selbst deine einsame Insel steht in jedem Prospekt
Und ist vom Visumzwang befreit	  

Da hat man einen kleinen Bereich für sich entdeckt, wo man seine Ruhe hat und für sich sein darf. Und sogar dieses Refugium wird einem hier genommen und breit öffentlich zugänglich gemacht.

Alles ist ausgehandelt, das Leben schlabbert vorbei
Selbstmitleid, Selbstmitleid, Selbstmitleid	  

Was für ein starker Text, wie ich finde.

Nix, was man hören sollte, wenn man depressiv und anfällig ist. Ich interpretiere den Text im übertragenen und nicht im direkten Sinn.


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