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Songs und Liedertexte: "Barry Williams Show" von Peter Gabriel

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Das ist ein Artikel aus meiner Serie zu Songs und Liedertexten:

Allgemeines zur Artikelserie

Ich bin offenbar ein Lyrics-Mensch: mir fallen Texte bei Songs auf, ich merke sie mir, sie stehen für mich meistens im Fokus eines Songs, der Song bekommt dadurch meistens für mich seine Bedeutung. Vermutlich kenne ich etliche hundert Songtexte auswendig.

In manchen Liedtexten erkenne ich eine wichtige Situation aus meinem eigenen Leben wieder. Das erzeugt eine besondere Bindung zu einem Lied. Viele Lieder sind aber auch ohne dieser besonderen Bindung einfach nur schön oder interessant.

Ich bin kein besonderer Experte für Musik oder Songtexte. Mir fehlt vermutlich auch das passende Vokabular, um die einzelnen Dinge zu benennen. Ich bin schon froh, dass ich weiß, was in diesem Kontext eine Bridge ist.

Meine Motivation für diese Serie:

Im Gegensatz zu vielen anderen Themenkreisen werde ich hier ausschließlich auf Deutsch schreiben. Das liegt auch daran, dass ich vor habe, etliche deutschsprachige Songtexte zu präsentieren.

Wenn nicht anders erwähnt oder entsprechend verlinkt, lese ich kaum bis keine Quellen speziell zum Schreiben der Artikel in dieser Serie. Das geschieht nicht aus Mangel an Recherchemotivation sondern ganz bewusst, um meine subjektiven Eindrücke nicht mit den Meinungen und Interpretationen anderer Personen zu vermischen. Ich habe es mir nicht angeeignet, standardmäßig zu meinen Lieblingssongs Recherchen zu betreiben. Viele meiner Lieblinge fand ich vor der Erfindung vom WWW. Nur selten fühlte ich den Drang, die Interpretationen von anderen Menschen zu suchen.

Oft habe ich allerdings zufällig oder auch nicht bereits Hintergrundinformationen mitbekommen, indem ich Künstler-Interviews las, Dokus angeschaut habe, Bücher las oder etwas im Radio aufgeschnappt habe.

Die Lyrics in meinen Artikeln habe ich selbst kontrolliert. Es gibt zu einem Song oft verschiedene Versionen. Diese haben auch oft verschiedene Lyrics als Basis. Daher beziehe ich mich auf eine bestimmte Version.

Du findest Allgemeines zu mir und Musik auch auf meinem Tag-Artikel zu "music".

Serviervorschlag

Ich empfehle, zuerst den Song bewusst anzuhören. Danach den Artikel lesen und dann nochmal den Song hören und neue Eindrücke via Kommentar unten dalassen.

In dieser Serie ist es mir besonders wichtig, Kommentare zu bekommen, da ich ansonsten eher zu IT-Themen schreibe und ohne genügend Interesse werde ich die Serie nicht fortsetzen.

Metadaten

Meine Gedanken

Let's go

One man at the window
One girl at the bar
Saw that look of recognition
When they know just who you are
I've seen you on the TV
I've seen you on that show	  

Offenbar wird hier jemand in einer alltäglichen Situation wiedererkannt. Man ist dadurch kein Celebrity. Zumindest nicht für längere Zeit. Die sprichwörtlichen fünfzehn Minuten Ruhm. Greifbar für jede(n). Kurz aus der Masse hervorstechen. Man wird erkannt.

You make the people crazy
And then you let them go	  

Meiner Meinung nach wechselt hier die Erzählperspekive. Während es im vorigen Absatz um die Gäste der Show geht, bezieht sich das hier auf die Macher der Show.

Before the show we calm them
We sympathize, we care
And the hostile folk we keep apart
Til the red light says 'on air'	  

Dies steht für die Doppelmoral der Showmacher: vordergründig möchte man den Menschen helfen, ihren Problemen etwas Aufmerksamkeit schenken, sie unterstützen. In Wirklichkeit geht's ums ruhig halten bis der Vorhang sich gehoben hat. Danach lässt man die Darsteller:innen aufeinander los und hofft auf maximale Eskalation.

Mir drängt sich hier das Bild eines Stieres auf, der vorm Holztor nervös aufstampft, das ihm von den ersten Schritten in der meist tödlichen Arena trennt.

Did you see our leather lovers
All tied up to the chair?
Did you catch those child molesters?	  

Zuschauer:innen tauschen sich über die aktuellste Aufregerfolge auf. Menschen ergötzen sich an dem Sozialporno. Emotionale Aufregung, auf das Leid anderer mit Scheinwerfern fokussieren, über das Unbeschreibliche sich austauschen und von hinter der sicheren Grenze der Außenposition bewerten.

Das funktioniert.

No one else goes there	  

Tja, das kann man auch so interpretieren, dass man die üblichen sozialen Konventionen über den Haufen wirft und Dinge hervorhebt, über die man aus guten Gründen vielleicht nicht berichten sollte, weil sie beispielsweise reine Privatsache sind?

What a show
The Barry Williams Show	  

Da kommt es nun: die Show heißt "Barry Williams Show".

Aus der Perspektive des Erscheinungsjahres 2002 braucht es nicht viel Fantasie, um sich ableiten zu können, dass Peter Gabriel hier auf den Meister der Realityshow "The Jerry Springer Show" abzielt.

Vermutlich auch, um sich gerichtliche Auseinandersetzungen zu ersparen, wählte Peter Gabriel einen anderen Namen. Er suchte sich laut Interviews einen Namen aus, der gut im Song funktionierte.

Dummerweise gab es allerdings sogar mehrere echte "Barry Williams", die somit irrtümlich vermeindlich adressiert wurden. Ein Schauspieler dieses Namens wurde schlussendlich sogar ins Video von diesem Song eingebaut.

Musikalisch ist der Refrain hervorragend komponiert. Die große Show drückt sich im Chor aus, der wohl auch stellvertretend für das Publikum im Studio stehen könnte. Die Bässe heben sich an, man würde sich auch nicht wundern, wenn Fanfaren ertönen würden.

What a show
What a show
Dysfunctional excess
(What a show)
Is all it took for my success
(What a show)
The greater pain that they endure
(The Barry Williams Show)
The more you know the show will scored
It's showtime	  

Diese Sequenz deutet an, dass dem Protagonisten die Problematik seines Handelns vollends bewusst ist. Ich bin mir unsicher, ob das auf alle Jerry Springers dieser Welt zutrifft.

Got the reputation of a surgeon
'Cause they cannot feel the cut	  

Die Menschen ausnützen, ohne, dass sie es mitbekommen. Fragwürdige Sache, wenn man darauf in dieser Art stolz ist.

It looks so very simple
But it really is an art	  

Nun, das ist die Variante, die ich auf diversen Lyrics-Plattformen gefunden habe. Allerdings gefällt mir die Version, die ich jahrelang so verstanden habe sogar noch besser: "It looks so very simple; But it really isn't hard". Hat einfach mehr Wortwitz.

Ich denke auch, dass es nicht allzu kompliziert ist, Menschen vor der Kamera gezielt zu leiten oder gar provozieren. Etwas hie und da sticheln. Eine bewusst gesetzte neutral scheinende Frage stellen. Durch die Mitleidmasche das Tragische herausholen.

They call our studio "the hospital"
Making money from the sick
We let people be themselves
There is no other trick	  

Ich denke, das unterstreicht mein Argument von oben.

'My lover stole my girlfriend'
'I keep beating up my ex'
'I wanna kill my neighbour'
'My daughter's selling sex'
'My SM lover hurt me'
'My girl became a man'
'I love my daughter's rapist'
'My life's gone down the pan'	  

Beispiele von Sendungstiteln, die in dieser Art tausendfach über das traditionelle Nachmittagsfernsehen geflimmert sind. Je provokativer, desto mehr Zuschauer:innen, desto mehr Geld durch Werbepartner. Ein Teufelskreis.

2023 war ich in der Barbara Karlich Show. Obwohl die Karlich das Genre nicht so ausreizt, wie ein Jerry Springer es gemacht hat, ist es wohl die Show im ORF, die hier am nächsten an dem Song rankommt. Und auch dort waren bunte Gestalten eingeladen, die mir im Vorfeld schon gesagt haben, dass ich ruhig provokant und schrill sein soll, wenn ich nochmal eingeladen werden will. Es scheint also eine Art Typos zu geben, der in Reality-Shows sich zu exponieren möchte. Wenn hierbei die Geschichten etwas mehr als notwendig ausgeschmückt, übertrieben oder erfunden werden, dient das nur der gemeinsamen Sache, dem Ziel der Show.

What a show
(The Barry Williams Show)
It's my show
(What show)
(The Barry Williams show)
Dysfunctional excess
Is all it took for my success
(What show)
(The Barry Williams show)
And when the punches start to fly
The ratings always read so high
It's showtime

(instr.)

That girl has got no scruples
Not a wrinkle on her face
You would not believe the plot she conceived
So they'd let her take my place
Well, no man is an island
No man is a sea
But this display of emotion
Is all but drowning me	  

Oh, ist "drowning me" eine Anspielung auf eine Art Ermüdung? Schlechtes Gewissen?

What a show
Oh what a show
On my show
(The Barry Williams Show)	  

Unter der oberen Prämisse, kann man diesen Refrain nun auch anders interpretieren: Barry muss sich von seinem Erfolg getrieben von Show zu Show durchkämpfen, obwohl er schon eingesehen hat, dass das Ganze nicht so toll ist, wie's für die Außenstehenden gestaltet wird ...

It's my show
(What a show)
(The Barry Williams Show)
(What a show)
Dysfunctional excess
(What a show)
Is all it took for my success	  

Wenn man so eine Show auf den Namen des Hosts aufhängt, ist es auch schwer bis unmöglich, der erfolgreichen Show als Host wieder zu entkommen. Man wird zum Opfer seines Erfolges.

The best TV you've ever seen	  

Wieder im Werbemodus.

Where people say the things that they really mean	  

Das kann man auch so sehen: ohne die üblichen Hemmschwellen sozialer Normen werden hier ungezügelte Auswüchse der älteren Teile unseres Hirns provoziert und triggert die Zuschauer mit Emotionen entsprechend.

I hear my name
I hear them roar
For the one more time I take the floor
Just one more Barry Williams Show
We're gonna to take you where you want to go
(Showtime)	  

Die egoistische Erfolgsschiene von Barry wird hier nochmal ganz deutlich. Barry geht's offenbar nicht nur um die vordergründigen Themen von oben sondern in erster Linie um sich selbst und "my success". Sein Name, seine Show, sein Erfolg. Es zehrt vielleicht am schlechten Gewissen aber eine weitere Show geht immer noch.

It's showtime
Come on down
Come on down
Come on down
Come on down
Down
Come on down
Come on down
Come on down
Come on down
Come on down
Come on down
Come on down
Yeah	  

Die logische Transferleistung des Themas auf unsere Zeit bezogen sind die Algorithmen der sogenannten "Sozialen Netzwerke". Beim Fernseher konnte man das Probramm wechseln oder abschalten. Gegenüber den Algorithmen sind die meisten Menschen scheinbar machtlos, obwohl es durchaus gesündere Alternativen gibt.


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